Die Fiakermilli

Volksstück für 6 Personen

Ungers Kasino 1885

Garderobe der Fiakermilli: Nach einem bejubelten Auftritt kommt die Volkssängerin Emilie Demel, die Fiakermilli, zurück in ihre Garderobe. Dort wartet ein Reporter der Neuen Freien Presse auf sie. Emilie ist neben einigen anderen männlichen Volkssängern zur Wiener Berühmtheit geworden. Der Reporter drängt sie, sie möge ihm doch ihre Lebensgeschichte erzählen, er würde daraus eine Serie mit einigen Fortsetzungen gestalten. Emilie ziert sich Anfangs, sie verstehe den Rummel um ihre Person nicht, gibt aber letztendlich dem Drängen des Reporters dann doch nach.

Maison Kininger am Spittelberg, 20 Jahre vorher:

Emilie Pemmer ist mit dem bekannten Volkssänger Edmund Guschlbauer im Separee der „Maison Kieninger“, Gutenbergg. 23. Guschlbauer hat der Bordellmutter, Madame Philomena Kininger, viele Gulden für ein junges, noch unberührtes Mädchen geboten. Aber Emilie weigert sich. Guschlbauer ruft Philomena. Diese kommt und macht Emilie schwere Vorwürfe, wegen der Abweisung des feinen Herrn. Als „Bierhäuslmentsch“ wäre so eben das Leben. Kochen könne sie nicht, Putzen könne sie nicht, sie könne einfach gar Nichts, nicht einmal dem feinen Herrn Guschlbauer etwas Entspannung verschaffen. Emilie entschuldigt sich und erinnert sich unter Tränen an ihre Heimat und all die Freunde und die Familie, die sie verließ. Polizeiwundarzt Dr. Nusser (Erfinder der Gesundheitspässe für Prostituierte) unterbricht. Er kommt wegen der fälligen Untersuchung der Dirnen. Philomena beschwört Guschlbauer, er möge bitteschön die kleine Böhmin als seine Verwandte ausgeben, weil sie sonst in große Schwierigkeiten kommen würde.

Ungers Kasino 1885:

Das Interview geht weiter. 1871 hat Milli sich bei der Behörde als erste Frau die Genehmigung erkämpft, als Volkssängerin in einem speziellen (Reit-) Kostüm auftreten zu dürfen. 1874 hat sie dann den Fiaker Ludwig Demel geheiratet …

Polizeipräsidium 1870:

Milli stellt einen Antrag, als erste >Nur< - Volkssängerin in Wien auftreten zu dürfen. Man verweist auf die Vorschriften, daß Volkssänger seit 1852 ohnehin ein anerkannter Berufsstand – aber nur für Männer – sei! Daß eine Frau in diese männliche Domäne eindringen wollte sei absurd. Doch die selbstbewußte und emanzipierte Milli triumphiert.

Ungers Kasino 1885:

Das Interview geht weiter. Der Reporter will noch wissen, wie sie zur Erfinderin der „Wäschermädel-“ und „Fiakerbälle“ geworden sei. Viele Beisl und Gaststätten wurden zu Fiakerlokalen, beispielsweise das Gasthaus "Zum Roten Dachl" am Neuen Markt war ihr Stammdomizil und erhielt so den Beinamen "Fiakerbeisl".

Ungers Kasino 1878: Vorbereitung zum 1. Wäschermädlball

Das Ballkomitee trifft sich zur Vorbesprechung. Mit dabei sind die Fiakermilli, der Guschlbauer, die Pracks-aufi-Kathi, Josefine Mutzenbacher und Dr. Nusser. Es kommt zu allerlei Mißverständnissen, aber letztendlich geht alles gut aus und der Ball wird zum gesellschaftlichen Ereignis.

Ungers Kasino 1889

Am 13.5.1889 ist die Fiakermilli verstorben. Das Begräbnis ist vorbei und der Rest der Gäste sitzt beim Leichenschmaus noch beieinander. Es ist dies die alt gewordene Madame Kininger, die Josefine Mutzenbacher, Polizeiarzt Dr. Nusser und Edmund Guschlbauer. Sie äußern eine Vermutung, warum die Fiakermilli so früh verstorben ist…

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