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Leseprobe

Westungarn, 1677

Entsetzt starrte die Frau auf die brennende Hütte, aus der durch das strohgedeckte Dach bereits die ersten Flammen züngelten. In dem an die Hütte angebauten Stall quiekten Schweine und meckerten Ziegen in Todesangst um ihr Leben. Aufgescheucht und verwirrt rannten Hühner, Enten und Gänse herum. Am Boden vor ihr lag ein Mann, ihr Mann, gefesselt und probierte verzweifelt seine Fesseln zu lösen. Sie konnte ihm dabei nicht helfen. An ihren Röcken hingen drei Kinder fest, die ihre Beweglichkeit behinderten.

„Scheiß Katholikenbrut. Habsburgerfreunde. Verrecken sollt ihr alle“, schrie der Anführer der Horde und machte sich damit selber Mut. Er war ein noch relativ junger Mann. Sein gewaltiger Schnurrbart der ihm bis zum Kinn hinunterhing machte ihn älter als er in Wirklichkeit war. Eine große rote Narbe zog sich quer über sein Gesicht. „Holts die Viecher von denen aus dem Stall. Dann gibt’s für uns wieder was zu fressen“, gab er den zwölf Berittenen ein scharfes Kommando. Sofort sprangen drei Mann aus ihren Sätteln und führten seinen Befehl aus.

„Verflucht sollt ihr sein, ihr Calvinisten Schweine“, brüllte der Gefesselte am Boden. „Anständige christliche Leute ausrauben! Verflucht sollt ihr sein, ihr Lumpen!“ Der Anführer blickte bei diesen Worten kurz auf, sprang ebenfalls aus dem Sattel und stieß dem Mann am Boden sein langes Messer in den Hals. Wie eine Fontäne schoss das Blut heraus. Einige Zuckungen später war er tot.

„Nehmt‘s die Gschroppen mit, sofern es Buben sind. Den Rest könnt‘s erschlagen oder euch eure Gaude damit machen“. Nun, die Männer machten sich zuerst ihre >Gaude< mit der Frau und dem kleinen Mädchen. Umsonst flehte die Frau sie um Schonung an; wenigstens für ihre kleine Tochter. Umsonst! Unter rauem Gelächter vollzogen die Männer ihre >Gaude< und vergewaltigten Mutter und Tochter. Einer nach dem Anderen. Grinsend sah ihr Anführer dabei zu. Dann schnitten sie dem Mädchen und ihrer Mutter erbarmungslos die Bäuche auf. Ihre Eingeweide quollen heraus und wenige Minuten später waren beide tot. Verblutet oder am Schock gestorben. „Lasst sie liegen. Haben die Raben wenigstens auch was zu fressen“, kommentierte der Anführer. Und so geschah es denn auch.

Die zwei Buben der soeben ausgerotteten Familie wurden gebunden auf eines der Pferde geschnürt. Dann zog die Rotte mit dem Ruf: „Tod den Habsburger Freunden“ ab. Auch die Tiere hatten sie nicht vergessen. Das Häuschen in der Puszta brannte komplett nieder. Wieder einmal hatten der Schrecken und der Terror gewonnen.

Revolution

Im Land der Ungarn war wieder einmal Revolution angesagt. Es gab immer wieder Aufstände und Revolten im Osten des großen Habsburgerreiches. Meist mit direkter oder indirekter Unterstützung durch die Türken. Von Nordungarn oder von Siebenbürgen aus. Bis jetzt hatten die Truppen des Kaisers aber all diese Aufstände niederschlagen können. Doch die Sehnsucht der Ungarn nach mehr Freiheiten konnte dem nicht Einhalt gebieten. Dafür würden sie sich auch mit dem Teufel verbünden. Der ungarische Hass auf die Habsburger war stärker als die Furcht vor den Türken. Ein Sondergericht in Preßburg verhörte über zweihundert des letzten Aufstandes verdächtige Adlige, mehrheitlich Protestanten, und ließ die sieben Hauptverschwörer köpfen. Diese harte Hand der katholischen Habsburger schockierte die Menschen in Ungarn.

Viele flohen massenweise nach Siebenbürgen, einem selbständigen türkischen Vasallenstaat, oder in den von den Türken direkt besetzten Teil von Ungarn. Die Besitztümer der Geflohenen wurden von den Habsburgern beschlagnahmt. Darüber hinaus wurde die Gegenreformation verstärkt und die Steuern wurden deutlich angehoben. Oft erfolgte der Einsatz habsburgischer Truppen, um den Evangelischen ihre Kirchen gewaltsam zu entreißen, was wieder diverse Unruhen hervorrief. Nach der Hinrichtung der Hauptverschwörer versuchte Leopold wieder, die ständischen Rechte in Ungarn aufzuheben, und betrieb einen strikt antiprotestantischen Kurs. Die Verwaltung unter dem Johann Caspar von Ampringen betrieb seit 1673 eine strikte Politik der Germanisierung. Aber all dies konnte die ungarische Opposition nicht ausschalten. Die Unzufriedenheit erreichte ihren Höhepunkt, als der Kaiser die ungarische Verfassung aufhob, 450 protestantische Geistliche vertrieb und weitere 67 zum Strafdienst auf den Galeeren verurteilte. Zahlreiche einflussreiche Persönlichkeiten flohen.

Den geflohenen Adeligen schlossen sich entlassene Soldaten aus den antitürkischen Grenzfestungen in der Hoffnung auf Beschäftigung, sowie Untertanen aus den Städten und mittleres Bürgertum an. Von der ethnischen Zusammensetzung her handelte es sich bei den Kuruzen, genannten Aufständischen, größtenteils um Slowaken, Kroaten und Ruthenen aber auch sehr viele Magyaren. Obwohl überwiegend protestantische Adelige, meist Calviner zu den Kuruzen kamen, schlossen sich ihnen auch viele unzufriedene Katholiken an.

Seit 1677 war der Graf Imre Thököly ihr Anführer. Er war der Sohn des protestantischen Grafen Stephan Thököly, welcher, der Beteiligung an der Verschwörung der ungarischen Unzufriedenheit gegen den Kaiser beschuldigt, 1671 seiner Güter für verlustig erklärt, in seiner Burg Oravský hrad von den kaiserlichen Truppen getötet wurde. Imres Hass auf die Habsburger wuchs ins Unermessliche. Er studierte am evangelischen Kollegium in Prešov und floh nach Siebenbürgen, wo er bei Verwandten Zuflucht fand.

Hier kam er auch mit Flüchtlingen aus dem Königlichen Ungarn (das heißt dem nicht von den Türken besetzten Gebieten) in Kontakt, welche große Hoffnungen in den adeligen und reichen jungen Mann setzten; denn er war wie auch sie geflüchtet, nachdem ein großer Teil der Besitztümer seiner Familie durch den Kaiser konfisziert worden war.

Ermutigt durch Hilfszusagen von Ludwig XIV. von Frankreich begannen die Habsburg Gegner wieder einen Aufstand und wählten den jungen Thököly zu ihrem Anführer. Der Aufstand begann 1678 und binnen kurzer Zeit war das ganze Gebiet der heutigen Slowakei einschließlich der mittelslowakischen Bergbaustädte unter Thökölys Kontrolle. 1681 rang er dem Kaiser einen Waffenstillstand ab, nachdem er sein Heer mit 10.000 Siebenbürgern aufgestockt hatte und ihn eine türkische Armee unterstützte.

Der türkische Sultan verlieh ihm 1682 den - bedeutungslosen - Titel >König von Oberungarn< (heutige Slowakei). Seine Truppen eroberten viele kaiserliche Festungen und erweiterten Thökölys Herrschaftsgebiet kurzfristig im Westen bis hin zum Fluss Vah. Allerdings gelang es ihm nie das gut befestigte und stark verteidigte Preßburg, die damalige Krönungsstadt der Ungarn, zu erobern. Auch brachte ihm ein Teil der ungarischen Landstände mangelndes Vertrauen entgegen, da sie fürchteten, er würde die nationale Unabhängigkeit dem Bündnis mit den Türken opfern. Thököly sandte zwar unzählige Bittgesuche an die Hohe Pforte. Aber der Padischah reagierte nicht. Noch nicht!

Da ein Bündnis der Ungarn mit den Türken nicht auszuschließen war, sah sich Leopold schließlich zum Nachgeben gezwungen. Leopold musste die ständischen Rechte wiederherstellen und gestand den Protestanten 1681 sogar ein begrenztes Recht der Religionsausübung zu.

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