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Leseprobe

Vorspiel

Warum der 21jährige Jura-Student Manfred Horak seinen Mitbewohner und Kollegen Karl Dall umbrachte, war auch vor Gericht nicht festzustellen.

Horak hatte weder einen Grund noch ein Motiv für seine Wahnsinnstat. Völlig grundlos stach er ihm plötzlich ein Küchenmesser direkt in die Brust, traf exakt das Herz und Dall war sofort tot.

Horak zerstückelte sein Opfer danach mit einem elektrischen Fuchsschwanz und schmiss Dalls zerstückelte Leiche in die Badewanne in der gemeinsamen Wohnung im zweiten Stock eines alten Wiener Zinshauses. In der Wanne ließ er sie dann einfach liegen und scherte sich nicht weiter drum.

Hätte es nach einigen Tagen nicht aus der Wohnung kräftig gestunken und sich am Gang und im Stiegenhaus übler Blutgeruch breitgemacht, wäre das Ganze vermutlich nicht so rasch aufgeflogen.

Die Nachbarn der beiden Studenten im zweiten Stock waren an unregelmäßige Zeiten der beiden sympathischen Studenten gewöhnt. Mal war Horak für einige Tage weg  und hin und wieder auch der Dall. Aber der unangenehme Geruch ließ die Nachbarn doch Schlimmeres vermuten, als nur verfaulende Essensreste.

Horak saß teilnahmslos, blutverschmiert und in Unterwäsche, in der gemeinsamen Wohnung, als die Polizei die Wohnung öffnete und mit Entsetzen ihn und den zerstückelten Dall vorfand. Sie verhafteten Horak. Die Schuldfrage war für sie eindeutig gegeben. Das noch blutige Tatwerkzeug und den Fuchsschwanz fand man neben ihm. Horak leistete bei seiner Verhaftung keinen Widerstand. Er wirkte sogar irgendwie erleichtert.

Während seiner Vernehmungen sprach er kein Wort über seine Tat, sondern starrte bloß an die Decke des Vernehmungsraumes. Er war einfach nicht da; in seinem Kopf spielten sich vermutlich ganz andere Dinge ab. Welche, konnte niemand eruieren. Ehrlich gesagt, interessierte es auch niemanden. An den Tatwerkzeugen waren nur Horaks Fingerabdrücke zu finden. Für die Kripo war es ein einfacher, schnell gelöster Fall. Was dann vor Gericht sein würde, interessierte die Kripo schon gar nicht.

Total überrascht und noch mehr verzweifelt waren Horaks Eltern. Manfred war ihr einziges Kind und hatte, ihrer Meinung nach, eine völlig normale und glückliche Kindheit verlebt. Auch hatte er sich nie besonders auffällig verhalten und auch nie irgendeine Neigung zur Gewalt erkennen lassen.

 Horaks Eltern zählten zum gehobenen Mittelstand. Sie lebten in geordneten und auch finanziell gesicherten Verhältnissen. Der Sohn erhielt jeden Monat von ihnen eine ausreichende Unterstützung.

Vater Horak war als vielbeschäftigter Anwalt in der eigenen Kanzlei tätig, Mutter Horak kümmerte sich um Haus, Garten und darum, was eine österreichische Hausfrau und Mutter eben glaubt tun zu müssen. Die Familie Horak war in der niederösterreichischen Kleinstadt, in der sie Wohnung und Arbeitsplatz hatten, sehr beliebt. Man beteiligte sich auch großzügig an diversen caritativen Veranstaltungen und besuchte jeden Sonntag pünktlich die katholische Messe.

Was war bloß mit Manfred los gewesen?

Was war der Auslöser seiner Schreckenstat?

Trotz zahlreicher schlafloser Nächte und unzähliger Diskussionen fanden die Horaks für die Tat ihres Sohnes keine plausible Erklärung. Mehrmals besuchten sie ihn während der Untersuchungshaft; Manfred zeigte sich dabei immer als der Sohn, der er für seine Eltern immer war: freundlich, liebevoll und höflich.

An seine Tat aber konnte oder wollte er sich nicht erinnern. Sobald sie ihn darauf ansprachen, bekam er einen sturen Blick und stierte bloß stumm zu Decke hinauf.

Für Vater Horak, den Anwalt, war klar, dass sein Sohn diesen Mord an Dall in einem spontan aufgetretenen Zustand grauenhafter geistiger Verwirrung begangen haben musste. Eine andere Erklärung für die Bluttat konnte er sich nicht vorstellen.

Er bat einen Kollegen, seinen Sohn vor Gericht zu vertreten und ließ auf eigene Kosten auch ein sündteures psychiatrisches Gutachten erstellen. Das brachte zwar auch keine besonderen Ergebnisse, untermauerte aber Vater Horaks Annahme über ein plötzlich aufgetretenes geistiges Blackout seines Sohnes. Warum und wieso, das konnte auch der Psychiater nicht sagen.

Die folgende Gerichtsverhandlung war daraufhin sehr kurz. Die Fakten waren bekannt; Horak, der einen gutsitzenden Anzug trug, sagte auch während der Verhandlung kein Wort über seine Tat. Er machte lediglich Angaben zur Person. Sein Verteidiger plädierte auf Unzurechnungsfähigkeit und empfahl dem Gericht Manfred Horaks Einweisung in ein psychiatrisches Krankenhaus. Der Gerichtspsychiater unterstützte in seinem Gutachten diesen Antrag der Verteidigung.

Das Gericht schloss sich nach kurzer Beratung dieser Ansicht an und verurteilte den Mörder Manfred Horak zu lebenslanger Haft und wies ihn zwecks Verbüßung dieser erstmal in die Justizanstalt Göllersdorf in Niederösterreich ein. Eine der Sonderanstalten im Strafvollzug. Sollte sich Horaks geistige Verfassung zum Besseren hin wenden, würde er in das Gefängnis in Stein kommen.

Die besondere Stellung unter den österreichischen Justizanstalten kommt Göllersdorf dadurch zu, dass sie die einzige Anstalt mit Behandlungsauftrag für nicht zurechnungsfähige, geistig abnorme Rechtsbrecher ist.

Manfred Horak nahm das Urteil kommentarlos zu Kenntnis. Als sie ihn zurück in seine Zelle brachten, grinste er bloß! Seinen Eltern widmete er nicht einmal einen Blick.

Die Justizanstalt in Göllersdorf hat Platz für  120 <besondere< Häftlinge. Dazu kommen noch einige >normale< Strafgefangene, die als Systemträger fungieren und Aufgaben wie Küchendienst und andere Arbeiten zugewiesen bekommen. Das Gefängnis wird in sechs Wohnstationen unterteilt, in denen jeweils 20 Betten zur Verfügung stehen. Des Weiteren gibt es noch eine Intensivstation mit 17 Betten.

Auf Grund seiner angenommenen Gefährlichkeit wurde Horak anfänglich in der Akutstation untergebracht, einem Einzelzimmer, das in der Qualität einem bescheiden ausgestatteten Krankenzimmer entsprach.

Man konnte eben nicht, noch nicht, abschätzen, wie er sich gegenüber den anderen Insassen verhalten würde. Tag und Nacht wurde er überwacht, zeigte aber keine besonderen Auffälligkeiten.

Die ärztliche Aufsicht in der Justizanstalt hat ein leitender Facharzt. Daneben gibt es noch Psychologen, Ergo- und Musiktherapeuten.

 Auch betreuen noch Sozialarbeiter und ausgebildete Krankenpfleger die Häftlinge. Stundenweise ordinieren auch ein praktischen Arzt, ein Zahnarzt und ein Seelsorger. Für den Exekutivbereich gibt es eigene Beamte und einige Kanzleikräfte.

Traurige Berühmtheit erlangte Göllersdorf, als 1995 die Psychotherapeutin Veronika Kreuziger durch den zu lebenslanger Haft verurteilten Franz Stockreiter ermordet wurde.

Stockreiter, einem zu lebenslanger Haft verurteilten Doppelmörder, wurden vor seiner Tat insgesamt 194 Freigänge genehmigt, um ihn auf seine mögliche Haftentlassung vorzubereiten(!). Diese wurde aber ernsthaft nie in Betracht gezogen. Die Öffentlichkeit mokierte sich verständlicherweise darüber, dass einem geistig gestörten Mörder überhaupt sowas wie Freigänge genehmigt worden waren.

 Den Mord an Veronika Kreuziger motivierte er damit, dass er verhindern wollte, dass sie möglicherweise versetzt werden würde und er dann keine Freigänge mehr bekäme. Für diese Bluttat wurde Stockreiter neuerlich zu lebenslanger Haft verurteilt.

Der Dreifachmörder Stockreiter und der Einfachmörder Horak freundeten sich in der Anstalt an. Sie verbrachten möglichst viel der erlaubten Zeit miteinander.

Justizanstalt Göllersdorf

„Kann er nicht respektvoll und ordentlich grüßen, er ungehobelter Kretin, wenn er seinem Herrscher gegenübersteht? Welche Metze ist da mit ihm? Ihr habt dafür den Tod verdient. Morgen werde ich euch köpfen lassen! Wo, in Dreiteufelsnamen, ist der Scharfrichter?“ Der dies von sich gab, war ein kleines, mickriges Männchen, das im Aufenthaltsraum der Anstalt herumstand und anscheinend auf irgendwas wartete.

„Gnade, Eure Majestät, Gnade! Das sind zwei Neue, die Euch nicht erkannt haben. Seid großmütig und verzeiht ihnen“, grinste der junge Pfleger das Männchen an.

Er hinkte leicht und hatte sich als <Hansi Meiser< vorgestellt. Seine leichte Behinderung führte er auf einen früheren Motorradunfall zurück, sagte er fast entschuldigend. Meiser war erst seit kurzem in der Anstalt als Pfleger tätig. Er liebe seinen Job, erklärte er seinen beiden Begleitern. Jeden Tag treffe er andere Persönlichkeiten unter den Kranken. Das seien für ihn immer wieder neue und faszinierende Erfahrungen. Sehr dankbar, war er der Justizverwaltung, die ihn trotz seiner leichten Behinderung eingestellt hatte. Ein durch und durch netter Kerl, fanden Karin und Riegler.

In Meisers Begleitung befanden sich die leitende Psychologin eines Klinikums in der Hinterbrühl, Dr. Karin Kleinschmitt,  und der Wiener Chefinspektor Mike G. Riegler. „Der Herr Koller hält sich für Heinrich den Achten“, erklärte der Pfleger seinen Begleitern. Koller war der, der ihnen vorher das Köpfen angedroht hatte.

„Warum ist er denn da“, erkundigte sich Riegler?

„Er hat den Stromkassier umgebracht, weil ihm die Rechnung zu hoch vorgekommen war!“

Der Chefinspektor musste trotz der Tragik der Situation innerlich schmunzeln. Vielleicht gar keine so schlechte Idee, dachte er. Wenn das mehr machten, würden die schweineteuren Energiekosten von Wien Energie vielleicht reduziert werden?

Riegler und Kleinschmitt waren auf Initiative von Kleinschmitt im Rahmen einer privaten Exkursion in der Sonderanstalt gekommen. Eine Genehmigung dazu hatten sie auf Grund der besonderen Position des Chefinspektors leicht erhalten können.

Die letzten Jahre nach dem Tod des Folterers und Massenmörders Kuchalek[1] hatten die Psychologin und den Chefinspektor menschlich nähergebracht. Man schätzte sich gegenseitig und war beim Du-Wort angekommen. Sie trafen sich wenigstens einmal im Monat und redeten dann bei einigen Gläsern Wein über dies und das. Meist allerdings waren es Gespräche, die sich um die gemeinsamen schrecklichen Erlebnisse drehten.

Karin Kleinschmitt, die Chefpsychologin in einer Klinik für schwer erziehbare und sonstige gestörte Jugendliche, bemühte sich immer wieder, dem sturen Chefinspektor die Bedeutung der psychologischen Tätigkeit näherbringen zu können. Sie hoffte, irgendwann bei Riegler mehr Verständnis dafür zu finden.

„Wir Psychologen sind wie die Rettungsschwimmer“, erklärte sie ihm immer wieder. „Wenn wir erkennen, dass jemand am seelischen Ertrinken ist, versuchen wir ihn zu retten. Leider gelingt das nicht immer und nicht bei jedem. Wer unglücklicherweise in einen seelischen Tsunami gerät, ist meist leider nicht daraus zu befreien!“

Riegler hielt trotz Karins gutgemeinter Versuche von psychologischen Befunden Nullkommajosef!  Für ihn gab es erster Linie nur Menschen, die sich an die bestehenden Gesetze hielten und andere, die das eben nicht taten. Er hatte in seiner langen Dienstzeit so viel an Gewalt und Tod erlebt, dass er keinen Grund erkennen konnte, was sich durch die praktizierte Psychologie ändern sollte. Egal ob mit oder ohne Hochwasser oder Tsunamis.

Nicht, dass er für härtere Maßnahmen gegenüber Mördern und anderen Schwerverbrechern eingetreten wäre; nein! Er war ein entschiedener Gegner der Todesstrafe, die von Teilen der Öffentlichkeit bei besonders grausigen Verbrechen immer wieder reklamiert wurde. Aber lebenslang hatte jedenfalls, so dachte er, exakt das zu bedeuten, was das Wort meinte.

Es widerte ihn daher auch immer wieder an, wie die >Hirnklempner<, so nannte er sie insgeheim, immer wieder Gründe und Ursachen diagnostizierten, warum jemand zu einem Straftäter geworden war.

Keine Sau hingegen interessierte sich aber für die Opfer. Das fand er nicht gerecht.

Seine Tochter hatte ihn kürzlich und unerwartet zum Großvater gemacht. Wer daran noch beteiligt gewesen war, konnte oder wollte sie nicht sagen. Zuerst war es ein Schock für ihn. Er und Opa? Aber das kleine Mädchen, Nadja, erfüllte bald sein Herz mit Freude und er würde jeden in der Luft zerreißen, der ihr etwas antun würde. Noch hausten sie zu viert in seiner kleinen Wohnung in Wien Floridsdorf.  

Cornelia hatte sich unbedingt einen Hund gewünscht; noch vor ihrer Schwangerschaft. Widerstrebend hatte er ihrem Wunsch entsprochen und sich innerlich auf irgendein kleines Vieh eingestellt.

Als sie dann aber mit einem Doggen Welpen daherkam, bekam er wieder Lust, beide zu liquidieren. Dieses Vieh, das noch dazu einen ausgesprochen blöden Blick hatte, würde in etwa acht Jahre leben, konnte bis zu 86 Zentimeter hoch werden und 90 Kilogramm Lebendgewicht erreichen. Aber was sollte er sagen? Dann kam auch noch das Kind dazu.

Das Tochtermonster war bei Wiener Wohnen allerdings schon an aussichtsreicher Stelle für eine Wohnung vorgemerkt. Riegler hatte alle Verbindungen deswegen ausgenützt. Einerseits freute er sich darüber, andererseits würde er sie stark vermissen; das war ihm schon klar. Den Hund allerdings weniger bis gar nicht.

Dr. Karin Kleinschmitt hatte ihre furchtbaren Erlebnisse mit Heinz Kuchalek, alias Jens Hartmann, ihre Entführung und die Folterungen, zumindest nach außen hin, einigermaßen gut weg gesteckt. Freilich, wie es in ihrem Inneren aussah, wusste keiner. Sie ließ niemand an sich heran. Allerdings hatte sie in ihrer Klinik für die Kids sämtliche Besuche im Zoo ersatzlos gestrichen (Kuchalek wollte sie gefesselt und blutend im Bärenpark in Arbesbach als Futter den Braunbären zur Verfügung stellen).

Warum waren sie heute in die Justizanstalt gekommen?

Kleinschmitt hatte mit großem Interesse den Fall des Manfred Horak in den Medien verfolgt und plante, mit ihm in Rieglers Anwesenheit ein Gespräch zu führen. Studienhalber, wie sie Riegler erklärte. Der hatte gerade nichts Besseres zu tun und war auf ihre Bitte hin mitgefahren. Nicht, dass ihn Horak besonders interessierte, er wollte aber einmal miterleben, wie Karin mit solchen Typen umging. Einfacher gesagt: er war neugierig!

Der Zweck der Maßnahmen in solchen Anstalten liegt primär nicht in der Bestrafung des Täters, sondern in der Reduktion seiner Gefährlichkeit für die Zukunft. So probierte Karin ihn auf die Begegnung mit Horak einzustimmen. Nützte aber nicht viel bei Riegler. Er hatte eben seine vorgefasste Ansicht.

Sie nahmen in einem der kleinen, schmucklosen Besucherzimmer Platz, der Pfleger Hansi ging weg, um Horak zu holen.

Riegler erwartete nun, sowas ähnliches wie im Film >Das Schweigen der Lämmer> präsentiert zu bekommen. Einen Manfred Horak als Anthony Hopkins. Ein an Armen und Beinen gefesseltes Monster mit einer zusätzlichen Beißschutzmaske. Weit gefehlt.

Horak aber kam in T-Shirt und Jeans, war nicht gefesselt und trug auch keine Maske. Auf der Straße wäre er von anderen Passanten nicht zu unterscheiden gewesen. Seine blonden Haare waren modisch geschnitten und er verströmte einen durchaus angenehmen Duft nach einem teuren Rasierwasser. Absolut kein Typ, dachte Riegler, vor dem man sich fürchtet. Aber gerade die Harmlosen sind die stillen Wasser, die mitunter sehr tief sein können, korrigierte er sich gleich selber.

Horak setzte sich ihnen gegenüber. „Guten Tag, ich freue mich Sie kennenzulernen. Was führt Sie zu mir?“ Er sprach ruhig und in normalem Tonfall, wie sich eben Menschen bei einem Small Talk unterhalten. Er machte insgesamt einen sehr guten Eindruck. Kleinschmitt und Riegler stellten sich vor, nannten aber ihre Professionen dabei nicht.

„Wir sind von der Gefangenenhilfe und wollen uns erkundigen, ob Sie irgendwelche Beschwerden vorzubringen haben oder sonstige Dinge beklagen? Wir haben Kekse, Schokolade und Zigaretten für Sie dabei.“

„Zigaretten? Wollen Sie mich umbringen?“, entrüstete er sich. „Ich habe noch nie geraucht! Das ist doch total schädlich. Aber Schokolade ist gut! Die nehme ich gerne. Danke dafür.“

Also gaben sie ihm die Tafel Schokolade. „Wie geht es Ihnen“, erkundigte sich nun Riegler.

„Ah! Mir? Ausgezeichnet! Ich studiere eifrig. Mein Freund Franz hilft mir dabei. Immerhin werde ich ja bald in Papas Kanzlei eintreten. Den Franz nehme ich dann auch mit. Der Papa wird schon eine Arbeit für ihn finden.“ Horak erklärte das mit einer Selbstverständlichkeit, als würde seine und Stockreiters Entlassung schon demnächst bevorstehen. Er wirkte dabei wie jemand, der sich seiner Behauptung völlig sicher ist. Es schien ihm anscheinend gar nicht klar zu sein, warum er überhaupt hier war.

Riegler wurde sauer. Das konnte doch nicht sein, dass sich ein zu lebenslang verurteilter Mörder auf Kosten der Allgemeinheit weiter bildete und dann womöglich noch als fertiger Jurist tätig wurde. „Sagen Sie mal Herr Horak, wissen Sie eigentlich, warum Sie da sind“, schoss es aus ihm heraus.

„Aber ja doch. Ich habe ein Schwein geschlachtet. Ein ungustiöses hässliches Schwein, das sich in meine Wohnung verirrt hat!“

„Dieses Schwein war aber doch ihr Freund und Studienkollege?“

Horak wurde böse. „Unsinn! Das sind Gerüchte! Mein Freund ist verreist! Das sind hundsgemeine Lügen, die da über mich verbreitet werden! Wenn ich erst Anwalt bin, werde ich dagegen energisch vorgehen! Alle werden sich dann wundern; alle! Der Franz hat mir versprochen, mir dabei zu helfen! Mich zu unterschätzen wird sich noch als schwerer Fehler herausstellen!“

War das nun als Drohung zu werten oder einfach nur als sinnloses Geschwafel eines kranken Menschen? Riegler waren diese Worte unheimlich. Hatte Horak irgendwas vor?

„Wie haben Sie das gemeint?“ wollte Karin wissen.

„So, wie ich es gesagt habe!“

Kleinschmitt beobachtete Horak aufmerksam und machte sich dabei auch einige Notizen. Horak sah das und bat Karin um einen Zettel und ob er sich wohl kurz ihren Stift ausborgen dürfe. Sie blickte fragend zum Pfleger, der nickte und so lieh ihm beides.

Mit flotten Strichen skizzierte Horak etwas, faltete dann den Zettel zusammen und gab den Stift zurück. Was er gezeichnet hatte, wollte er anscheinend nicht herzeigen.

Riegler hatte nun genug von dem für ihn sinnlosen Geschwafel. Er fühlte ich in Horaks Gegenwart nicht wohl und wollte bloß weg. „Wollen wir dann gehen?“ wandte er sich an Karin. Die hatte nichts dagegen. Sie standen also auf um sich von Horak zu verabschieden. Einem wirklich vorbildlichen Häftling, wie Hansi, der Pfleger, neuerlich betonte.

Aber Horak wirkte auf einmal wie ein ganz anderer. Er war nun nicht mehr der freundliche junge Mann. Störte es ihn, dass seine Besucher schon gehen wollten? Ein böses Grinsen überzog sein Gesicht. „Übrigens! Es werden bald noch mehr Schweine sterben. Vielleicht auch Sie?“ Mit diesen Worten drückte er Karin seine Zeichnung in die Hand, kicherte böse und ließ sich von Hansi in die Akutstation zurückbringen.

Am Weg zum Auto faltete Karin die Zeichnung Horaks auseinander. Auf einmal wurde sie leichenblass und griff nach Riegler Hand.

Horak hatte eine Rose gezeichnet.

Eine Rose, durchbohrt von einem großen Dorn.

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