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Leseprobe

Das 16. Jahrhundert war eine sehr durchwachsene und eher schlechte Zeit für Mitteleuropa und seine Bewohner.  Seuchen wie die Pest >Der Schwarze Tod<, die Pocken, kalte Winter und darauf folgende Missernten waren die Ursachen für Hungersnöte. Dazu kamen noch eine kurze intensive Eiszeit und die wachsende Bedrohung durch die Osmanen.

Für all diese Schrecklichkeiten suchte die ungebildete Bevölkerung krampfhaft nach Schuldigen. Irgendwer oder irgendwas musste doch diese katastrophalen Zustände herbeigerufen haben. Machte man zuerst die Juden für die Seuchen verantwortlich, so folgte bald die Welle der Hexenverfolgung.

Bei der sehr religiösen Bevölkerung spielte die Sorge um das Seelenheil nach dem Tod eine wichtige Rolle in ihrem Leben. Als einziger Vermittler bot sich da die katholische Kirche an, die auch den verbrecherischen Hexenwahn entsprechend propagierte und eigene Inquisitoren aussandte, die den Auftrag hatten, möglichst viele >Hexen< zu entdecken und zu verurteilen. Die neue evangelische Kirche tat aber ebenso.

Die Verfolgung ging im Laufe des Jahrhunderts zunehmend von staatlichen Stellen aus, die zum Teil auf Forderungen aus dem Volk reagierten. Durch eine auch nach damaligen Maßstäben unfaire Prozessordnung konnten die Angeklagten, die mehrheitlich Frauen waren, sehr selten einer Verurteilung zum Tode entgehen. Unter Folter wurden die Angeklagten zur Nennung vermeintlicher Mittäter gezwungen, so dass den Prozessen ganze Gruppen der Bevölkerung zum Opfer fielen.

Von einer dieser bedauernswerten Frauen handelt dieses Buch: Elisabeth Plainacher, geborene Holtzgassner, war eine einfache Frau, konnte, wie die meisten einfachen Menschen, nicht Lesen oder Schreiben. Heute würde man sie als >zurückgeblieben< bezeichnen. Sie wurde bereits als Kind von einem Geistlichen missbraucht. Die Abscheu gegenüber dem Katholizismus behielt sie ihr ganzes Leben und trat später zum protestantischen Glauben über. Einer der Vorwürfe bei ihrem späteren Prozess. Ihr Schwiegersohn, der Bauer Georg Schlutterbauer, verfolgte sie seit dem plötzlichen Tod seiner drei Kinder mit tödlichem Hass. Er machte sie ohne jeden Grund dafür verantwortlich. Nur seine Tochter Anna, die bei ihrer Großmutter lebte, blieb am Leben.

Schlutterbauer begann damit, seine Schwiegermutter als Hexe anzuschwärzen: Sie gebe ihm sein einziges Kind nicht zurück und verhexe es immer mehr. Sie bringe es ausschließlich zu protestantischen Gottesdiensten und richte es für den Teufel ab.

Das ohnehin etwas schwachsinnige, epileptische und pubertierende fünfzehnjährige Mädchen wurde von katholischen Geistlichen als vom Teufel besessen bezeichnet. Epilepsie galt zu jener Zeit als ein starkes Indiz hierfür. Die Geistlichkeit exorzierte sie dreimalig, was klarerweise keine Besserung brachte. Dann erst erkannte man das Mädchen auf schwachsinnig. Aber Schlutterbauer gab nicht auf und fand in dem fanatischen Jesuiten Georg Scherer endlich jemanden, der seine falschen Anschuldigungen gegen die Plainacher ernst nahm. Scherer war erst kurz in Wien und wollte sich durch die Entdeckung einer Hexe entsprechend profilieren. Das würde seiner Karriere bei den Jesuiten auch förderlich sein.

Elisabeth Plainacher wurde allerdings von den Wiener Ärzten und Priestern für lediglich alt und bei schwachem Verstand bezeichnet. Scherer schlug zurück: Er hielt vor dem Stephansdom eine Hetzpredigt gegen die Hexen im Allgemeinen und gegen die Plainacher im Besonderen. Das aufgeputschte Volk forderte daraufhin, dass man sie foltern solle, um ein Geständnis zu erzwingen. Im Wiener Folterkeller wurde die alte kranke Frau einer dreimaligen Folter unterzogen, bei der sie letztendlich alles zugab, was man von ihr hören wollte. Sie wurde zum Tod verurteilt und bei vollem Bewusstsein am Scheiterhaufen verbrannt.

Alle behördlichen Fragen in diesem Buch sind dem Schandbuch >Hexenhammer< entnommen; der damals gültigen Richtschnur bei Hexenprozessen. Ortsangaben, Jahreszahlen und Namen entsprechen der Wahrheit. Weniges habe ich mit dichterischer Freiheit dazu gestaltet. Elisabeth Plainacher war die einzige Person, die jemals in Wien wegen angeblicher Hexerei verurteilt wurde. Ihrem Andenken und dem der zahlreichen anderen Opfer ist dieses Buch gewidmet.

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