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Leseprobe

Der Hof

„Schneller, schneller“, feuert der Mann auf dem Hocker den etwa fünfjährigen Jungen an, der im Hof der schmuddeligen Mietskaserne im Kreis läuft.Nach einem absolvierten Kuraufenthalt in einem Kaff am Rand der Stadt hat der dortige Doktor geraten, der Junge sollte zur Kräftigung der Lungen regelmäßig laufen.

Jetzt läuft er!Ohne jede Begeisterung.Aber er muss.

Es ist zeitig am Morgen. Der Hof trennt die erste Stiege, die Wohnungen der besseren Leute, von der zweiten Stiege. Dort sind die Wohnungen kleiner, ungepflegter und noch mieser als auf der ersten Stiege. Die Bewohner übrigens auch. Man holt sich das Wasser von der Bassena am Gang und streitet sich jeden Tag darüber, wer das einzige Klo am Gang diesmal so verschissen hat.

Das Haus hat in beiden Stiegen vier Stockwerke und darüber den Dachboden. Da hängen die Frauen die Wäsche auf. Nach dem mühsamen Waschtag in der hauseigenen Waschküche. Natürlich ohne Maschinen oder so was.Nein.Man heizt in einem großen Kessel das Wasser vor, schüttet das dann in den hölzernen Waschtrog und benützt Waschrumpel und Bürste. Dann schleppt man die nasse Wäsche auf den Dachboden. Dort hängt man sie auf. Es kommt immer wieder vor, dass Tauben, die da ungehindert aus- und einfliegen können (die Fenster am Dach sind seit dem Krieg kaputt), die Wäsche anscheißen oder auch durch ihre Flügelschläge von der Wäscheleine lösen. Sie fällt dann auf den verstaubten Boden und ist wiederum dreckig.Die Reinigung des Dachbodens ist Sache der Hauswartin. Aber die Frau hockt lieber den ganzen Tag vor dem Haus und säuft irgendeinen Fusel. Hin und wieder fällt sie auch auf den Boden und schnarcht. Man lässt sie liegen. Sie wacht schon wieder auf, oder auch nicht. Ist eigentlich egal.

Im Keller gibt es keine Tauben. Dafür jede Menge Mäuse und Ratten. Der Junge findet es spannend, dass man am Dachboden und im Keller rundherum gehen kann. So, denkt er sich, muss es früher in den Geheimgängen alter Burgen ausgesehen haben. Er stellt sich vor, was sich alles hinter den hässlichen Kellertüren verbirgt und welche Geheimnisse in den Kisten lauern, die am Dachboden herumstehen.

Er hat aber Angst.Er hat immer Angst.Vor Geistern, die da hausen und überhaupt. Er ist davon fest überzeugt, dass es Geister und Gespenster gibt. Immerhin gibt es ja auch einen gewissen >Rawuzel<. So hat man es ihm erzählt und ihn vor diesem Rawuzel gewarnt.Der ist so eine Art Obergeist, der andere Geister kommandiert und immer dann erscheint, wenn die Kinder nicht  >brav< gewesen sind.

>Brav< heißt zu diesen Zeiten das man sofort und ohne irgendwelche Einwände die Befehle der Eltern und der bekannten Erwachsenen befolgt. Sie kommandieren alle mit den Kindern.Es kommandiert auch der Mann auf dem Hocker; der Vater, der Unterscharführer. So nennt er ihn insgeheim. Er kann sich nicht daran erinnern, jemals die Wörter >Papa< oder >Vater> gebraucht zu haben. Für ihn ist er der Unterscharführer. Riesengroß und furchtbar stark.Der Unterscharführer hinkt. Sein rechtes Bein haben sie ihm zerschossen. Damals, im Krieg. Er hat sich mit siebzehn freiwillig zur SS gemeldet und war mit zwanzig ein Krüppel. Die Ärzte haben sein Bein wieder zusammengeflickt. Es ist ganz geblieben. Das Hinken blieb ihm allerdings auch.

Er kommandiert trotzdem.Mit ihm, jeden Tag! Beim angeordneten Frühsport. Dieser Frühsport ist dem Jungen unangenehm, zuwider und peinlich. Äußerst peinlich. Er rennt in seiner weißen, ausgeleierten Unterhose auf Kommando im Hof im Kreis herum und kommt sich vor wie ein Trottel. Zwanzigmal. Jeden Tag. Also ein zwanzigfacher Trottel.Wenn er Kniebeugen oder Liegestütze machen muss - wieder auf Kommando -  passiert es schon, dass ihm manches Mal dabei ein Furz auskommt. Der ist meist sehr laut. Alle hören das.Die anderen Hausbewohner, die ihre Wohnlöcher im Parterre oder im ersten Stock haben und deren Fenster auf den Hof hinausgehen. Die erleben dies alle Tage mit. Sie genießen es sichtlich und amüsieren sich dabei. Sie lachen ihn aus. Wegen seiner Tollpatschigkeit. Dabei bemüht er sich doch. Aber er kann dem Unterscharführer nichts recht machen.Nie!

Noch peinlicher ist es ihm, wenn hin und wieder beim Furz etwas mitgeht. Man sieht das dann deutlich an der weißen Unterhose. Die darf man nur einmal wöchentlich wechseln; wie die andere Wäsche auch. Nach der Dusche im städtischen Tröpferlbad. Immer samstags. In der billigsten Klasse.Da wird gemeinsam geduscht. Nebeneinander sind die Duschen nur durch dünne Zwischenwände getrennt. Auch die Temperatur des Wassers kann man sich nicht einstellen. Nein! Am Boden der Abteile sind Holzpedale montiert. Tritt man drauf kommt das Wasser. In der Temperatur, wie es dem Herrn Bademeister an diesem Tag passt. Meistens ist es zu kalt, sehr selten zu heiß.Einige der duschenden Männer onanieren ungeniert in ihren Abteilen. Dann, wenn sie knackige Knabenhintern sehen. Wenn dir die Seife auf den Boden fällt musst du darauf achten, dass das keiner von den Wixern mitkriegt.

Sonst …!

Einige Male ist das vorgekommen.Dem Jungen ist das aber noch nie passiert. Er passt immer sehr auf.Mit dem Aus- und Anziehen zusammen darf man eine halbe Stunde nicht überschreiten. Es muss eben Alles schnell gehen. Damit die, die draußen warten auch noch dran kommen. Und es warten immer Viele.Alles geht eben Samstag ins Bad. Samstag ist Badetag und man ist ja reinlich. Alle sind sie reinlich. Unter der Woche holen sie sich ihr Wasser von der Bassena am Gang. Der Bademeister ist im Stress. Er treibt die Duscher an. Besonders die Kinder. Die trauen sich meist nicht zu widerreden.Dabei, so denkt er sich, ist es doch ein Zeichen persönlicher Schwäche, wenn man die Überlegenheit bei Jenen demonstriert, die sie ohnehin nicht anzweifeln. Und so ein Bademeister ist eben eine Respektsperson.

Danach geht man ins Stammbeisl. Frisch gewaschen und in frischer Wäsche.Dort hat er auch die erste bewusste Erinnerung an seine ganz frühe Kindheit. Mit einem Laufriemen – wie ein Hund – ist er an einem Spalier des Schanigartens angebunden, kann ungehindert im Straßendreck herumstieren und hört den Unterscharführer grölen: „Vierzig und zudreht ist.“Wenn man frisch gewaschen ist, setzt man sich ins Extrazimmer. Alle die, die sich unter der Woche am Stammtisch treffen, sitzen nach dem Bad im Extrazimmer.Sie saufen wie unter der Woche, reden die gleichen Dinge wie unter der Woche und  der Unterscharführer ist genauso besoffen wie unter der Woche.

Wozu?Warum?

Der Bluat-Pepi

Zuhause angekommen kotzt er seinen Dauerfrust heraus und schlägt.Seine Frau, seinen Sohn oder beide. Einen Grund dafür findet er immer. Entweder hat die Frau vorher irgendwem schöne Augen gemacht oder war der Junge frech, oder beides. Irgendeinen Grund für Prügel findet er immer. Der Junge fürchtet sich vor ihm und die Frau fürchtet sich auch.Aber wo sollen sie hingehen?Was sollen sie machen?Hin und wieder jagt er sie wutschnaubend aus der Zimmer - Küche Wohnung. Dann ist es besser, wenn sie rennen. Er kommt ihnen wegen seiner Behinderung Gottseidank nicht nach. Einmal schnappt er sich die Axt, die im Hof im Hackstock steckt und brüllt, dass er ihnen damit die Schädel einschlagen wird.

Es kommt die Polizei. Sie nehmen ihn mit. Am nächsten Tag ist er wieder da. So, als wäre nichts gewesen.Er ist unter seinem Spitznamen >Bluat-Pepi< eine bezirksbekannte negative Größe. Die meisten wollen mit ihm Nichts zu tun haben. Er ist unberechenbar. Die Leute vom Wachzimmer kennen ihn. Teilweise sind sie auch seine Freunde. Sie prügeln und saufen genauso wie er. Einer ist sogar ein ehemaliger Kamerad von der SS.Da kann ihm bei der Polizei nichts geschehen. Sie lassen ihn ausnüchtern und schicken ihn dann - versehen mit guten Ratschlägen - wieder nach Hause. Die Ratschläge nützen einen Tinnef und Anzeigen sind undenkbar. Eine solche Anzeige würde auch keine Behörde ernstnehmen. Er prügelt also wieder und weiter.

Der Junge beginnt zu stottern. Eine Folge der Prügel? Er weiß es nicht. Aber die Sprachhemmung ist für den Unterscharführer ein weiterer (willkommener?) Grund ihn verbal noch mehr zu erniedrigen.Wenn andere Leute nach den Gründen für die Spuren die sie auf Grund der Erziehungsmaßnahmen des >deutschen< Mannes im Gesicht oder sonst wo sehen, fragen, dann lügen sie. Die Mutter und er auch.Denn sie schämen sich. Schämen sich für das Verhalten des Familienvorstandes. So erzählen sie von einem Sturz, einem Ausrutscher oder sonst irgendwas Blödsinniges.Ist ja auch egal. Diejenigen, die den Bluat Pepi und seine Familie kennen wissen sowieso Bescheid. Und Fremde interessiert es ohnehin nicht.


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