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Saras Rache

LKA Wien

Wenn in Wien ein Mensch gewaltsam stirbt, dann läutet bei den Mitgliedern einer der drei Mord-Gruppen des Landeskriminalamts das Telefon. Egal wann, egal wo: Kommt der Anruf, dann beginnt für die Ermittler eine Periode, während der das Privatleben meist zur Gänze zurückgestellt wird. Das LKA Wien verfügte über drei, getrennt voneinander operierende, Ermittlungsdienste. Hinter dieser Bezeichnung verbirgt sich das, was man gemeinhin als Mordkommission kennt.

Chefinspektor Manfred „Mike“ Riegler, leitete die Mordkommission G III. Die G III bestand aus Individualisten, die aber wie Pech und Schwefel zusammen hielten, wenn es um die Aufklärung einer Bluttat ging. Regler, der Boss, war Anfang Fünfzig, schwarzhaarig und hatte im Gesicht einen leichten chinesischen Einschlag. Folge eines Fehltritts irgendeiner Ahnin. Welche das war wusste er nicht. Es interessierte ihn aber auch nicht. Riegler war leicht korpulent und Anfang Fünfzig. In seiner dienstfreien Zeit probierte er gerne neue Kochrezepte aus, die er sich aus dem Internet holte – seiner Figur merkte man an, dass er ein Gourmet war - und ließ auch gerne seine private Kleinbahnanlage im Kreis fahren, die er laufend mit diversem Zubehör erweiterte. Eigentlich wäre er lieber Lokomotivführer geworden, oder Straßenbahnfahrer, anstatt Polizist. Aber damals gab es in beiden Sparten keine Ausbildungsplätze. Er fing also als einfacher Streifenpolizist an, stieg aber dann rasch in der polizeilichen Hierarchie auf. Er war am beruflichen Gipfel angelangt; höher konnte er ohne akademischen Grad nicht aufsteigen.  So betrachtet, war er mit seinem Leben, seinem beruflichen Leben, eigentlich ganz zufrieden. Privat hatte es weniger gut geklappt; eigentlich gar nicht. Er hatte zwei gescheiterte Ehen hinter sich, aus denen je ein Kind stammte, für die er Unterhalt zahlen musste. Die unregelmäßigen Dienstzeiten, die ständige Verbindung zum Tod, das Risiko, das mit jeder Festnahme verbunden war und letztendlich auch seine persönliche Unfähigkeit abzuschalten – hatte er einen Fall, dann beschäftigte ihn dieser ununterbrochen – ruinierten diese Ehen. Zwar war ihm keine seiner Exfrauen gram. Man hatte sich immer im Guten getrennt, aber keine hielt es auch lange mit seinem Beruf und auch mit ihm aus. Er lebte nun allein in einer Garconniere am Stadtrand und wollte es auch bleiben. Er hatte es satt, sich um irgendwelche fremden Frauenzimmer zu kümmern, Süßholz zu raspeln und den Charmeur zu geben. Er galt als knorrig und war auch leicht reizbar. Seine spontanen Wutausbrüche und Flüche sorgten immer wieder für versteckte Heiterkeit bei seinen Mitarbeitern.

Sein Stellvertreter, Oberinspektor Heinz Melzer, war Anfang Vierzig, nach eigenen Aussagen immer noch glücklich verheiratet und versorgte die Kollegen der Gruppe regelmäßig mit Gemüse und Obst – vor allem mit Ribisel - aus dem eigenen Schrebergarten; auch wenn die das gar nicht wollten. Sobald Melzer mit seinen Körben voll selbstgezogenem Gemüse und Obst im Büro auftauchte, ging ein allgemeines Seufzen los. Wer würde sich dieses Mal >opfern< und Melzers Grünzeug nach Hause schleppen müssen? Meistens traf es die Damen der Gruppe. Die Herren hatten zufälligerweise gerade einen wichtigen Außentermin wahrzunehmen oder mussten zu einer dienstlichen Besprechung; Rieglers bevorzugte Art, sich vor Melzers Grünzeug zu drücken. Der dritte der Gruppe, Inspektor Franz Viral, war Mitte Dreißig, ein drahtiger und durchtrainierter Typ. Viral war ledig und sexsüchtig. Er war Stammgast in mehreren Wiener Bordellen. Die Bordellbetreiber verdankten ihm manchen nützlichen Tipp, wie etwa eine bevorstehende Razzia und stellten ihm als Gegenleistung gerne kostenlos eine ihrer Damen zur Verfügung. Auch ansonsten war Viral einem Quickie oder One-Night-Stand nie abgeneigt. Riegler wusste das Alles, sah aber keine Veranlassung, sein Wissen an die große Glocke zu hängen. Seinen Dienst versah Viral sehr gewissenhaft. Inspektor Sonja Wessely, ledig, Ende 20, kämpfte laufend mit ihren Gewichtsproblemen und ging so oft es der Dienst erlaubte in ein Fitnessstudio. Das nützte ihr aber nicht viel, eigentlich gar nichts. Nach dem Training schlug sie sich in der nächstbesten Konditorei mit Torten und Kuchen den Bauch voll. Der Song von Udo Jürgens >Aber bitte mit Sahne< könnte für sie geschrieben worden sein. Sie kompensierte ihre Einsamkeit mit einer unstillbaren Gier nach Süßem. Schließlich das Küken der Gruppe. Inspektor Maria Grün, Mitte Zwanzig. Sie war für alles zuständig, was die anderen nicht machen wollten; etwa Kaffee kochen, Akten aus dem Archiv holen, Melzers Gemüse zu übernehmen und derlei Kram mehr. Privat gab sie sich als Rockröhre in einer Band, mit dessen Bassisten  sie auch manchmal auf der Matratze landete. Zu diese Gruppe von Individualisten mit Teamgeist kamen bei Bedarf noch zwei Kriminaltechniker hinzu, die mögliche Spuren an einem Tatort fanden, sicherten und auswerteten. Im Präsidium nannte man die Gruppe III wegen ihrer hohen Aufklärungsquote bei Gewaltverbrechen auch die >Die glorreichen Fünf<. Ihre Aufklärungsquote lag  mit neunzig Prozent deutlich über dem ohnedies guten Schnitt des LKA Wien.

Ein Mord mit Folgen

Viele grausige Dinge hatten Riegler und sein Team in den letzten Jahren schon erlebt und gesehen. Immer wieder hatte er sich gewundert über das, was Menschen anderen Menschen antun können und welche Methoden dabei angewandt wurden. Doch was er und seine Leute in diesem Spital vorfanden, erweiterte ihr Repertoire an Scheußlichkeiten bedeutend. In einem Bett am Gang zur Prosektur lag ein Mann. Eigentlich die Reste eines Mannes. Eines alten Mannes. Irgendwer hatte in der Nacht sein Krankenbett und ihn in den Durchgang im Keller gebracht und dort ein grässliches Werk vollbracht. Ihm die Augen ausgestochen, die Kehle durchgeschnitten, den Penis abgetrennt und in seinen Mund gerammt. Der Gang ertrank förmlich in Blut. Noch dazu roch es erbärmlich. Der alte Herr hatte beim Absterben noch gekotet. Wahrscheinlich hat die arme Sau noch gelebt, als man ihn so zugerichtet hat, dachte Mike und ihn schauderte bei diesem Gedanken. Im Hintergrund hörte er, wie sich seine Kollegin Maria übergab. Sein restliches Team stand rund um die Leiche und war ebenfalls erstarrt vor Entsetzen über dieses furchtbare Bild. Viral schüttelte fassungslos seinen Kopf. „Leute! Es hilft nichts. Wir müssen endlich mit unserer Arbeit anfangen. Maria, wenn Du mit deiner Speiberei fertig bist, erkundigst Du dich bei der Nachtschwester, ob die Irgendwas mitgekriegt hat. Sonja und der Franz klappern die anderen Zimmer ab. Die übliche Prozedur halt .Vielleicht hat wer wo was gesehen oder gehört? Heinz und ich bleiben da und warten auf die Kollegen vom TOP[1] und checken einstweilen das Bett und die Leiche.“ Sie machten sich also an die Arbeit.

Mittlerweile waren die beiden TOP-Leute eingetroffen und gingen ihrer Arbeit nach. Nach einiger Zeit erklärten sie, dass im Zimmer keinerlei verwertbaren Spuren gefunden wurden. Sie gingen hinunter zum Opfer. Auch hier war das Ergebnis gleich Null. Keine Fingerabdrücke, keine Hautpartikel oder Haare oder ähnliches. Der oder die Täter hatten alle Spuren sorgfältig beseitigt. „Na, bist schon fertig? Dann könnt’s ihr den armen Hund in die Sensengassen[2] bringen,“ wandte er sich an den Fotografen der die ganze Scheußlichkeit von allen Seiten geknipst hatte. Die Stellen mit den Verletzungen besonders deutlich. Auf der ganzen Welt besteht Polizeiarbeit größtenteils aus routinemäßigen Tätigkeiten. Die Superpolizisten, die in Filmen oder Romanen vorkommen, tolle Autos mit tollen Frauen fahren und pistolenknallend durch die Gegend rennen, die gibt es nur in Filmen oder Romanen.

Neben der exakten Erhebung des Opfer-Umfeldes, seiner Kontakte und ähnlichem, zählt das Finden des Motivs – warum wurde sie oder er getötet? – zu den wichtigsten erhebungsdienstlichen Vorgängen. Erst wenn man sich darüber einigermaßen im Klaren ist – oder es glaubt, zu sein – kann man einen Schritt weitergehen. Vielleicht sogar den entscheidenden Schritt. Welche Motivation könnte der Mörder aber hier gehabt haben, überlegte Riegler am Rückweg zum Präsidium? Einen alten, herzkranken Mann so brutal zu töten? Der noch dazu erst einige Tage im Land war, aus Uruguay kam und nach Aussage des behandelnden Arztes, Dr. Clemens Luft, ohnehin nur sehr geringe Chancen hatte, seinen schweren Infarkt zu überstehen?

Mike Riegler sah schwere Zeiten auf sich und sein Team zukommen. Keiner von seinen Beamten hatte bis jetzt eine verwertbare Spur gefunden. Weder am direkten Tatort, noch im Krankenzimmer. Momentan schien nur eines sicher: der Täter musste sich im Spital auskennen und genau gewusst haben, dass im Durchgang zur Pathologie nachts kein Betrieb war. Zdenka Dostalova, die Nachtschwester, hatte im Bereitschaftszimmer gemeinsam mit Dr. Luft die Nacht verbracht. Beide schworen Stein und Bein, das während der letzten Nacht nichts Ungewöhnliches vorgefallen war, dass ihre Aufmerksamkeit erregen hätte können. Waren sie durch andere Dinge etwa abgelenkt, kam in Riegler spontan eine Vermutung hoch? Beide  wären sie noch jung genug dafür, sich den langweiligen Nachtdienst durch – na ja, eh das! – zu verschönern. Er nahm sich vor, die Beiden später getrennt dazu zu befragen. Viel versprach er sich aber nicht davon. In der psychiatrischen Abteilung des Hauses -  noch eine riegler‘sche Spontanidee – schloss man aus, dass es irgendeinem der Insassen möglich sei, sich ungesehen zu entfernen. Die Psychiatrie sei Tag und Nacht versperrt und zur Gewalt neigende Patienten lägen entweder in Netzbetten oder wären fixiert.

Ein älterer, ziemlich aufgeregter, Herr stürzte auf ihn zu: “Was ist meinem Freund Carlo passiert? Wieso ist er nicht in seinem Zimmer? Warum ist die Polizei da?“ „Nur langsam! Wer sind Sie überhaupt? „ „Ach ja. Mein Name ist Nolde, Franz Nolde. Ich bin Geschäftsführer der Ziereis GmbH, Fleischgroßhandel. Carlo ist nicht nur einer unserer Hauptlieferanten, sondern auch ein langjähriger Freund.“ „Dann tut es mir sehr leid, Herr Nolde, Sie darüber zu informieren, dass Herr Dasilva leider tot ist.“

„Tot? Was heißt tot? Hat man ihn denn hier nicht sorgsam genug behandelt? Ist eine Schlamperei passiert? Mein Gott, man hört und liest so viel von ärztlichen Fehlern –  „ Riegler unterbrach ihn: „Herr Nolde, ihr Freund wurde ermordet. Ganz brutal ermordet!“ Nolde erblasste: „E-r-m-o-r-d-e-t? Warum denn? Von wem? Kann ich ihn sehen? Abschied nehmen? Mein Gott! So lange Jahre kannten wir uns und dann sowas? “ „Wir stehen erst am Anfang unserer Ermittlungen. Momentan ist alles sehr rätselhaft. Erzählen Sie mir doch mal, was Sie über ihren toten Freund wissen.“

Das Gespräch wurde unterbrochen. Ein weiterer, sehr aufgeregter Herr stellte sich als Professor Franz Wiese vor. Er sei der Leiter der Intensivstation und ganz entsetzt darüber, dass >sowas< in seiner Abteilung überhaupt möglich war. In seiner Begleitung war eine ältere Krankenschwester, die Oberschwester Anja Müller, eine anscheinend sehr kräftige Person. Auch sie zeigte sich entsetzt und erschrocken über den brutalen Mord an dem alten Herrn aus Uruguay. Riegler fiel ihre Bassstimme auf. Sie erinnerte ihn an die englische Sängerin Amanda Lear, die er früher sehr gern gehört hatte. Etwas länger als üblich blieb Schwester Müllers Blick an Nolde hängen. Riegler meinte, so etwas wie eine Art Erkennen in ihren Augen zu bemerken. So, wie sich die Beiden musterten. >Blödsinn<, schalt er sich insgeheim. >Du siehst schon Gespenster, wo gar keine sind<. Er vergaß es gleich wieder. Immerhin hatten er und das Team Wichtigeres zu tun.

Die Oberschwester wandte sich wieder den Beamten zu. Im tiefen Brustton erklärte sie, dass sie sich für alle ihre Mitarbeiter verbürge. Alle würden ihren Dienst sehr gewissenhaft und genau versehen. Es seien das alles hoch anständige Leute. Es sei ihr und dem Herrn Professor völlig schleierhaft, wie sowas passieren konnte. Wiese und sie protestierten ganz energisch dagegen, dass jemand aus ihrer Abteilung für diese schreckliche Tat verantwortlich gewesen sein konnte. Sie wären ja immerhin da um Leben zu retten, nicht zu vernichten.

Wenn aber, wider Erwarten und außerhalb aller für ihn denkbaren Möglichkeiten, doch ein Mitarbeiter der Abteilung oder des Hauses etwas damit zu tun haben sollte, bat Wiese die Polizei um größtmögliche Diskretion gegenüber den Medien und der Öffentlichkeit. Es würde dem Image des Hauses nur Schaden bringen. Gerade jetzt, wo die Regierung bei den Krankenanstalten zu sparen begonnen habe und man auf gutbetuchte Privatklientel dringend angewiesen wäre.

Riegler sicherte ihm dies zwar zu, wusste aber, dass die Pressestelle des LKA dies nicht einhalten würde können. Die mit Sicherheit kommenden medialen Prügel gegenüber dem Spital widerten ihn jetzt schon an. Eine am Kochen befindliche Gerüchteküche über einen irren Killer im Spital würde die Arbeit der Gruppe III wesentlich erschweren. Hunderte von blödsinnigen Anrufen und noch blöderen Hinweisen würden sie erhalten. Dazu kämen noch die Hellseher, die profilierungssüchtigen Neurotiker, die entweder die Schuld auf sich nehmen oder wüssten, wo sich der Killer gerade aufhält. Außer der Erkenntnis, dass der Ermordete mit einem der üblichen Skalpelle, die es in Massen in einem Spital gibt, gefoltert und getötet worden war, hatte die Spurensicherung nichts entdecken können. Riegler fand, dass es nun an der Zeit wäre, die Zelte abzubrechen. Der Tote war bereits abtransportiert, die blutbefleckten Utensilien inklusive dem Spitalsbett und seine wenigen persönlichen Utensilien ebenfalls. Namen und Anschriften möglicher Beteiligter waren auch notiert.

Die Gruppe III verließ den Tatort. Einige wartende Sensationsreporter verwies Riegler bärbeißig an die Pressestelle des LKA.

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